MUSIKVIDEOGENRES

- Versuch einer Kategorisierung vom Popticker

MUSICVIDEOGENRES

- draft for a categorisation by the Popticker

SITUATIVES SINGEN

Das situative Singen ist das weit verbreitetste Genre der Videoclips. Hierbei tun die jeweiligen Interpreten des betreffenden Liedes in realistischem Umfeld so, als würden sie singen (oder seltener: musizieren). Das kennzeichnende Merkmal des situativen Singens ist die Wahl einer Situation, in der man eigentlich nicht singen würde. Dabei spielt die Wahrscheinlichkeit, daß die InterpretInnen sich tatsächlich an dem Drehort aufhalten könnten, keine Rolle, denn situativ gesungen wird sowohl in realistischen Situationen wie im Restaurant, am Pool (Will Young "light my fire"), auf der Strasse (Santana "smooth") etc., als auch in Situationen mit symbolischen Charakter wie in der Wüste (ASD "fata morgana), auf dem Rollfeld (U2 "beautiful day") oder im Ambiente eines Filmstudios (Jeanette "rockin on heavens floor"). Das situative Singen schließt dabei sowohl den Gestus des in sich gekehrten Sängers ein (bei Balladen), als auch den des Sängers, bei dem das realistische Umfeld zur virtuellen Bühne wird. Eines der reinsten Videos des situativen Singens ist "uptown girl" von Westlife: Die vier Jungs betreiben einen Schnellimbiss und singen dabei.

SITUATIONAL SINGING

The "situational singing” is the most widespread genre of music videos. The singers pretend to sing (or, more rarely, to play an instrument) in a realistic surrounding. What is most characteristic of the "situational singing” is the choosing of a situation in which one would not actually sing. The probability of the singer’s situation is irrelevant. "Situational singing” can take place in realistic situations as in the restaurant, by the pool (Will Young "light my fire"), on the streets (Santana "smooth", Wyclef Jean "guantanamera") as well as in more symbolic situations: in the desert (ASD "fata morgana"), on the airport (U2 "beautiful day") or in an impossible room (Jamiroquai "return of the space cowboy"). "Situational singing” is possible for an introverted singer (ballads) as well as for singers who are acting in the realistic surrounding as on a stage. A perfect example for situational singing is the video "uptown girl" by Westlife: The five boys are working in a fast food restaurant and they’re singing during work.

 

SIMULIERTES MUSIZIEREN

Entscheidendes Merkmal dieses Genres ist die Auswahl einer Situation, in der man tatsächlich singen oder, hier öfter, auch musizieren würde; beispielsweise auf einem Konzert ("losin grip" von Avril Lavigne), bei Studioaufnamen ("all cried out" von den no Angels) oder im Bandprobenkeller (Beginn des Clips "guten Tag" von Wir sind Helden). Diese Momente des Musizierens können auch verfremdet dargestellt sein (Evanascence "going under").

SIMULATED MUSICMAKING

The important characteristic of this genre is the choosing of a situation in which one really would sing or make music. For example during a concert (Avril Lavigne "loosing grip"), in a studio (No angels "all cried out") or in the rehearsal-room (Wir sind Helden "Guten Tag"). These moments of making music can also be alienated (Evanescence "going under").

 

TATSÄCHLICHES MUSIZIEREN: DAS LIVEVIDEO

Hier werden die Interpreten gefilmt, während sie tatsächlich live das entsprechende Lied musizieren. Beispiele: "free" von Robbie Williams live in Knubsworth oder "business" von Eminem live in Barcelona. Das Livevideo eines einzelnen Liedes ist oft Teil von ganzen Konzertmitschnitten, die sich in Zeiten der DVD großer Beliebtheit erfreuen.

REAL MUSICMAKING: THE LIVE-VIDEO

Here you see the singers when they‘ re really making music. Examples: "free" Robbie Williams live in Knebsworth or "business", Eminem live in Barcelona. Mostly these live-videos are a part of full concert-DVDs.

 

DAS TANZVIDEO

Der oder die Interpreten tanzen meist ergänzt von einigen Tänzern zu dem Song. Entscheidendes Charakteristikum des Tanzvideos ist, daß hier die Bewegungen der Tanzenden in Abstimmung mit der Kameraführung choreografiert sind. Singen und Musizieren ist auch hier oft simuliert ­aber eben nicht realistisch situativ, sondern als Teil der Choreografie. Das beste und bekannteste Tanzvideo in Reinform ist "vogue" von Madonna. Es gilt für das Genre Tanzvideo als stilbildend und ist als solches ein Meilenstein der Geschichte des Videoclips.

 

THE DANCE-VIDEO

The singers are dancing together with other dancers. The important characteristic of this genre is that the camera is choreographed to the mood and the beat of the song and so is the dancing (of course). Singing and making music is often simulated as well, but is part of the choreography. The best and purest dance-video is "vogue" by Madonna.

 

DAS SITUATIVE TANZVIDEO

Das situative Tanzvideo ist ­wie der Name schon sagt- mit dem situativen Singen und mit dem Tanzvideo eng verwandt. Hierbei steht jedoch das Tanzen in Situationen, in denen man tatsächlich tanzen würde, im Vordergrund. Die Kameraführung fügt sich weniger der getanzten Choreografie als vielmehr der Tanzsituation ­zum Beispiel in einer Diskothek. Ein situatives Tanzvideo in Reinform ist der Clip zu "it’s like that" von Run DMC feat. Jason Nevins, in dem zwei Gangs sich gegenseitig ihre besten Breakdancemoves vorführen. (Ein Video, das oft zitiert wird ­gerade erst wieder von Christina Aguilera im Clip zu "can’t hold us down").

 

SITUATIONAL DANCE-VIDEO

The situational dance-video is, as the name says, close to the genre of situational singing and to the dance-video. But here we’ve got situations, in which dancing is normal (in the club), and the camera is more with this situation and less with the dancing. Two very pure situational-dancing-videos are RUN DMC feat. Jason Nevins "it’s like that" in which two gangs are showing each other their dance-moves and Christina Aguilera’s "(nothing) can’t hold us down", which is also situated on the streets.

 

DER KURZFILM

Es gibt ein weites Feld der Musikvideos, die den Anspruch eines Kurzfilmes hegen, die ­sprich- das Erzählen einer Geschichte in den Vordergrund stellen. Das entsprechende Lied wird zur Filmmusik. Dabei treten die Interpreten des Liedes manchmal in Erscheinung, manchmal nicht. Ebenso kann die erzählte Geschichte direkt mit dem Text in Verbindung stehen, muß sie aber nicht. Hierzu zwei Beispiel, beide von Blur, beide sehr schöne Kurzfilme: in "coffee and TV" sucht eine Milchtüte einen Joghurtbecher, in den sie sich verliebt hat, und findet ihn in dem Probenkeller der Britpopband; in "out of time" wird ein Moment von Heimweh eines auf einem Flugzeugträger stationierten Soldaten geschildert (klingt saudumm, ist aber ein wunderbarer Clip).

THE SHORT FILM

There is a wide range of videos claiming to be a short film, and which therefore focus on a story. Here the song turns more or less into a soundtrack. The singers of the song can be involved in the story or not. The story can be close to the song or not. A quiet pure video of the short film genre is for example "something stupid" by Robbie Williams and Nicole Kidman, in which the two celebrate Christmas together.

 

 

ERFUNDENE WELT

Der erste Videoclip, für den so viel Geld ausgegeben wurde, daß der Regisseur in der Lage war, eine ganze Welt zu kreieren, in dem sich die Handlung des Clips abspielt, war Duran Durans "wild boys" ­lange Zeit war dies das teuerste Video aller Zeiten. Nicht nur aus diesem Grunde ist es historisch: Das Genre des Clips in einer erfundenen Welt wurde hier insofern begründet, als daß zum ersten Mal nicht die Bebilderung des Musizierens im Vordergrund stand, sondern der Clip als eigenständige Inszenierung (auch wenn die "wild boys" dieses Kurzfilms auch Singen simulieren). Der Clip dominierte das Lied ­nicht umgekehrt. Dies ist allerdings nicht das entscheidende Merkmal dieses Genres. Das ausschlaggebende Charakteristikum ist vielmehr schlicht die Tatsache, daß hier nicht in einem realistischem Umfeld gefilmt wird. Viele Tanzvideos fallen nicht in dieses Genre, wenn man die Räume, in denen getanzt wird, als gefilmte Bühne ­und somit als realistisches Umfeld- betrachtet. Dieses Genre leidet wahrscheinlich am Meisten unter der ökonomischen Krise der Clipproduzenten, denn eine durchinszenierte Welt ist meistens teuer, und somit werden Clips wie Christina Aguileras "fighter", in dem sie als ein Käfer auftritt, der von lebensgroßen Stecknadeln in einer schwarzen, öligen Grotte beworfen wird, immer seltener. In Clips in erfundenen Welten treten die Interpreten des Liedes nicht zwangsläufig auf, und wenn sie es tun, simulieren sie nicht zwangsläufig das Singen und Musizieren.

 

INVENTED WORLD

The important characteristic of this genre is the unrealistic setting in which the video is filmed ­ the invented world. There are a lot of dance-videos which are not part of this category if you regard them as happening on a filmed stage ­ and therefore in a realistic surrounding. This genre is most endangered by the crisis of music videos, because it usually is expensive to create, design and film a complete "world". Examples (which might explain the genre better then an explanation): Duran Duran "wild boys", Christina Aguilera "fighter", Björk "human behaviour", New Order "true faith".

SELBSTINSZENIERUNG / LIFESTYLEINSZENIERUNG

Unter dem Begriff der Selbstinszenierung ein eigenes Genre von Musikvideos zu definieren, ist zunächst absurd, weil die Selbstinszenierung der Interpreten natürlich in ausnahmslos allen Clips vorkommt. Es gibt aber Clips, in denen alles Weitere der Inszenierung des Interpreten und oder oder seiner Lebensumstände untergeordnet ist. Ein Aspekt im Charakter, im Leben, im Lebensumfeld oder in der Biografie des Popstars soll zum Beispiel verstärkt bekannt gemacht werden, und dementsprechend sind Clips dieses Genres meist von Solokünstlern. In diese Kategorie fallen die vielen Clips männlicher Rapper, in denen uns gezeigt wird, welch große Schlafzimmer, wieviel Autos und wieviel Frauen mit meist großen Brüsten sie haben. Auch Jenny von ums Eck Lopez dreht nahezu ausschließlich Videos, die der Selbstinszenierung verschrieben sind: In "Jenny from the block" werden ihre Ghettowurzeln filmisch betont, in "my love don’t cost a thing" mit dem Telefonat zu Beginn ("You know, last thing I need is another bracelet!") ihr Stolz gegenüber Männern.

 

DIRECTED LIFESTYLE

First it might seem absurd to define the directed lifestyle as a proper genre because the staging of the singer is part of really every music video. But there are clips in which nothing else is as important as the singer’s staged lifestyle. They focus on one aspect of the star’s character, life or biography, and therefore the clips of this genre are mostly by solo-artists and not from bands. In this genre you have all the Hip Hop-Videos, in which they show off their many cars and girls with big breasts. Jennifer Lopez only makes videos in the genre of the "directed lifestyle”: In "Jenny from the block" (maybe the worst video ever) she wants to focus on her ghetto-roots and in "my love don’t cost a thing" her values in relationships: "You know? Last thing I need is another bracelet."

 

DAS ANIMATIONSVIDEO

Das Animationsvideo ist, wie der Name schon sagt, ein in irgendeiner Form animiertes Video, zum Beispiel durch Zeichentrick, Knetfiguren und so weiter. Daß es sich bei den genannten Kategorien eher um Charakteristika handelt, denn um Genres, die in Reinheit existieren, wird beim Animationsvideo besonders deutlich, denn im Feld der animierten Clips findet man Beispiele für jedes andere Genre. So ist zum Beispiel keinesfalls ausgeschlossen, daß in einem animierten Clip der Interpret des Liedes auftritt (in "let love be your energy" erscheint Robbie Williams als Zeichentrickfigur, in "Californication" treten die Red Hot Chillie Peppers als Videospielfiguren in Erscheinung), und somit stellen sich hier genauso die Fragen, ob hier Singen simuliert wird oder, ob das Umfeld, in der der Clip spielt, erfunden oder realistisch ist. Ein Meilenstein in der Geschichte des animierten Musikvideos sind zweifelsohne die Gorillaz, deren Bandmitglieder ausschließlich auf Papier als Comicfiguren existieren. Trotzdem musizieren die fünf in den animierten Videos in teils realistischen Bandsituationen.

 

THE ANIMATED VIDEO

The animation is not a proper genre in the categorisation because every genre can be animated or the animation can be part of it. You can have animated videos in which the singer of the song is present, you can have an invented world which is animated etc. I just thought that animation is so important in the history of music videos that we should not forget it.

DER KUNSTVIDEOCLIP

Im Gegensatz zum Clip als Kurzfilm hegt der Kunstvideoclip weniger inhaltliche Ansprüche sondern formale: den nämlich, ein eigenständiges Kunstwerk zu sein. Der kommerzielle Werbeeffekt tritt in den Hintergrund, im Vordergrund steht der Anspruch nach formaler Geschlossenheit, danach, sein eigenes Genre zu generieren. Das Feld der Kunstvideoclips ist relativ klein, oft werden sie gar nicht für den breiten Markt ­sprich: für die Musiksender- produziert, sondern für DVDs oder für Kunstausstellungen im Museum (bestes Beispiel hierfür sind viele Videos von Björk, die meisten sind von international renommierten, bildenden Künstlern inszeniert "all is full of love" von Chris Cunningham) Stilbildend für dieses Genre war zweifelsohne der Clip zu "sledgehammer" von Peter Gabriel, der vielen, auch dem Popticker, noch immer als eines der besten Musikvideos aller Zeiten gilt.

 

THE ARTVIDEO

In contrast to the short film the artvideoclip claims not to tell a story but to be an artwork itself. The commercial effect steps in the background, the artist is focused on a singular aesthetic and form and he wants to create his own genre. Many clips from Björk are artvideos, the best example might be "All is full of love" by Chris Cunningham.


HÄUFIGE MISCHFORMEN

Kaum ein Clip ist wie gesagt eindeutig einem hier genannten Genre zuzuordnen. Dennoch kann man meist eine Grundtendenz ausmachen. Nehmen wir zum Beispiel noch einmal Jennifer Lopez‘ "my love don’t cost a thing": natürlich wird hier auch situativ getanzt und gesungen, der Grundgestus des Clips bleibt aber der der Inszenierung der Interpretin.

Eine Mischform, die fast so oft vorkommt, daß man in ihr ein eigenständiges Genre sehen könnte, ist die zwischen Kurzfilm und simuliertem Musizieren (Nickelback "long road"): Der Clip schneidet von einer gezeigten Handlung zur Band und umgekehrt (Zu diesen Clips könnte man auch die zählen, die Singles aus Soundtracks promoten: Die gezeigte Handlung sind Szenen aus dem entsprechenden Kinofilm). Oft auch stehen an Orten der gezeigten Handlung mehr oder minder zufällig die Interpreten und bewegen die Lippen (Nicole Russo "you might be wrong"): ein Zwitter also aus situativem Singen und Kurzfilm.

 

COMMON MIXFORMS

There are not many clips which you can assign purely to one of these genres (I guess you find situational singing and dancing in 75 % of all videos), but mostly you can define a main-tendency of the clip. One mixform which is almost a genre itself is the one between short film and simulated musicmaking: There are many cuts from the band to a story and the other way around (for example all the clips for songs which are part of soundtracks in which you see scenes from the actually movie).